Rezension von Franziska Bauer

Mit Speck fängt man Mäuse?



Ein Mensch, der anders aussieht als die anderen, der anders redet als die anderen und anders denkt als die anderen, erregt die Aufmerksamkeit einer Maus, aus deren Perspektive Eva Gebetsroither ihre Kurzgeschichte „Mit Speck fängt man keine Mäuse“ erzählt. Die Maus ist klug genug, den Käse in den Mausefallen der Kammerjäger zu verschmähen und den zahlreichen Katzen auszuweichen, die sich draußen herumtreiben. Auch der Rat des lebenstüchtigen Nebenerwerbsbauern und Wirtes Franz, dass man Mäuse am besten mit Speck anlocke, verfängt bei ihr nicht. Nur zu ihrem Gönner vom Putzdienst fasst sie Zutrauen und beschließt, sich ihm zu zeigen, indem sie sich in einer Dose versteckt, die sie vom Regal, in dem sie haust, herunterrollt. Er sieht in ihr kein Ungeziefer, sondern ein Stück belebte Natur, die er in seinem Arbeitsumfeld so bitter vermisst. Die Maus schenkt  ihm ein Quäntchen Lebensfreude im tristen Arbeitsalltag. Er erlebt einen magischen Moment, in dem
die … „Maschinen um ihn verschwanden, der Putzlappen sich in einen Vogel verwandelte, der mit einem wunderbaren Gesang davonrauschte, der Besen in seiner Hand zu einem Wanderstab wurde, mit dem er sich auf die nächste Reise aufmachte …“

Anderntags nach Feierabend bricht er in den Wald auf, um wieder einmal dem Gesang der Vögel zu lauschen.

Danke Franziska Bauer für diese wunderbare Rezension. Ihre Youtubeseite erfreut uns mit vielen schönen Leseproben aus ihrem Schaffen.

Rezension von Claudia Crackthefiresister

Interpretation des Textes "Das Klavierwichtel" (c) Eva Gebetsroither 2021 von Claudia Crackthefiresister:

„Das Klavierwichtelchen“ von Eva Gebetsroither erzählt eine Geschichte des Zusammenhaltes und der Wertschätzung. In den gemeinsamen Handlungen des Pianisten und des Wichtels ist ein durchwegs fröhlicher und freundlicher Ton zu erkennen auch selbst als der Pianist sich verlassen fühlt, ist er dem Wichtel nicht böse, sondern geht auf die Suche.

Unklar ist mir als Leserin, warum der Wichtel nicht gesagt hast, wie es ihm geht, wohin er möchte oder welche Pläne er hat. Vielleicht steckt dahinter ein Motiv der Furcht, der der Wichtel den Pianisten nicht enttäuschen wollte oder der Wichtel war so erschöpft, dass er gedankenverloren davon gewandert ist.

Wenngleich die Geschichte trotz ihrer Kürze sehr ereignisreich ist, wirkt sie dennoch nicht überladen oder verwirrend, sondern findet sogar noch Raum für detaillierte Beschreibungen in der Beschreibung der Klangerzeugung durch den Wichtel und in der „Erholungsszene“.

Insgesamt ist der Text sehr positiv gehalten und vermittelt eine Atmosphäre der Nähe und des Vertrauens, sowie der raschen Einsicht durch den Pianisten samt glücklichem Ausgang der Geschichte.

Die gewählte Erzählzeit - die Mitvergangenheit – wird häufig in Märchen verwendet, ebenso wie die Eingangsformel und anschließende Erstbeschreibung des Wichtels zu Beginn des Textes.

Die erzählte Zeit umfasst zu Beginn eine nicht genauer definierte Zeit von mehreren Auftritten des Pianisten und wird dann mit dem konkreten misslungen Abend im Tempo abgebremst. Der „Verfall“ des Pianisten muss wohl zumindest ein paar Tage oder eine Woche dauern, wenn man bedenkt, dass er sich selten duscht und rasiert. Bis der Pianist den Wichtel findet, muss dieser sich auf dem Spaziergang befinden, um dann in der Wiese zu sitzen, wo die beiden einander finden. Vielleicht wäre eine kurze Notiz zum schönen Wetter oder einer Baumhöhle oder einem Besuch bei einem ihm bekannten Tier eine Erwähnung wert oder aber die Autorin möchte dies der Phantasie der Lesenden überlassen oder auch eine weitere Geschichte zum Ausflug des Klavierwichtels schreiben.

 

Danke Claudia für die ehrliche und anregende Auseinandersetzung mit meinem Text.
Hier kommt ihr zu ihrer Homepage.

 

Augenzwinkernd blickst du in die Sonne, sie streift deine Netzhaut, du siehst

Ohren auf, der Vogelgesang berührt deine Ohrhärchen, du hörst

Der Geschmack auf deiner Zunge wird durch deine Nerven erspürt, du schmeckst

Die Haut sie atmet tief ein und aus, ist Schutz sowie Lebensspender, du fühlst

Die Füße setzen einen Schritt nach den anderen, du gehst

Deine Seele sie sucht nach Antworten auf deine Fragen, du lebst.                        

Dein Herz, es erwacht, wie der Frühling nach einem langen Winter, du liebst.

Du bist ein Wunderwerk der Natur!

 

Josef Brodträger:
"Dein Gedicht ist wunderschön, wirklich tiefgründig und gefühlvoll. Man spürt förmlich die Wärme und das Licht, wie Du es geschrieben hast, Chapeau!"

 

Danke lieber Josef! Ich freu mich schon darauf, deine Texte kommentieren zu dürfen.


Rezension zum Text von Matthaeus Schmid "Der Herbsttag (2001)
von Eva Gebetsroither

Der beeindruckende Text von Matthaeus Anton Schmid scheint eine Bestandaufnahme eines Menschen zu sein, der sich dem Hier und Jetzt bewusst ist, der fast abrechnet mit seinem Leben, der gegenwärtigen Situation die sich manifestiert in diesem Jahrhundert. Er ist sich dem Scheiden, dem Ende des Lebens bewusst. Es durchzieht die Metapher des schwarzen Vogels den Text, der für das unausweichliche Dahinscheiden steht. So wie Ludwig Hirsch in seinem Lied „ Der schwarze Vogel“ das Lebewesen als Sinnbild für das Endliche, den Tod sieht.

Vor den Augen des Herbstes, der in seiner wahren beeindruckenden Schönheit die Herzen der Menschen berührt und die wunderbare Seite des Lebens hervorkehrt ist sich der Mensch seinem Sein bewusst, den Momenten der Beziehungen, der Sexualität, den Verbrechen der „Menschengeschichte“.

Ich sehe hier den Bezug der Verbrechen im 2. Weltkrieg unseres Jahrhunderts. Er lässt den Leser an seinem Innersten Teilhaben, die Gedanken sie scheinen eine Qual aber gleichsam ist es ein Zurückkommen auf die wesentlichen Seiten des Lebens. Eine Danksagung an alle die schönen Momente, doch nein, es ist vielmehr eine Abrechnung mit den Traktaten unserer Zeit.

Die Wortgewalt mit der Matthaeus Anton Schmid jede Faser unseres Seins, von der Biologie bis zum Universum beschreibt macht eine genauere Auseinandersetzung mit dem Text notwendig. Die Metaphern, die er verwendet blühen vor Symbolhaftigkeit. So schreibt er von einer abgefackelten Bibliothek, für die nur Tote schreiben. Das Bild, dass hier entsteht, sowie die staubige Realität lässt in mir immer wieder einen Vergleich an das Dahinscheiden (vielleicht einer ganzen Gesellschaft) aufkommen. Doch an diesem Herbsttag an dem der Protagonist sich mit der Sinnhaftigkeit des Seins auseinandersetzt, schätzt dieser die Schönheit, er wünscht sogar allen Glück und Zufriedenheit.

„Wir sind glücklicher als die Ewigkeit“, ist einer der Sätze der mich am meisten berührte, denn es scheint das Prinzip des Glückes über das Göttliche zu stellen. Wir können uns glücklich schätzen zu leben, abgesehen vor der Tatsache, dass alles endlich ist können wir am Ende unseres Lebens zurückblicken und uns dankbar zeigen für all die Situationen, die uns das Leben gestellt hat. Auch wenn man sich ein klein wenig zynisch zeigen könnte, so gibt es doch viel mit dem der Protagonist abrechnet. Doch ihm ist es erlaubt, scheint er sein Leben doch bereits durchlaufen haben und wo er jetzt ist, alles aus einer gewissen Distanz zu betrachten.

 Es ist der letzte Brief den er schreibt, bevor der Winter ins Lande zieht, oder er in die Ewigkeit abdriftet. Der Tod scheint uns zu bedrücken, nach einem schönen Herbsttag, der uns die Vergänglichkeit und die Gewalt der Natur bewusst macht sind wir doch alle nur Menschen in einem ewigen Rad der Zeit. Es zeigt uns das alles endlich ist, doch in mir keimt die Hoffnung: auch die schlechtesten Momente werden irgendwann vorbei sein und da wir glücklicher sind als die Ewigkeit, gilt es jeden Moment unseres Lebens zu genießen.

 
Danke Matthaeus, dass ich deinen Text interpretieren durfte. Ich freue mich auch auf deine Textinterpretation.
Portrait - Matthaeus Anton Schmid

 

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